Demokratieschutz für Klimaschutz

Wir leben in einer Zeit multipler Krisen. Finanzkrise, Inflationskrise, Bildungskrise, Pflegekrise, Gesundheitskrise, Wirtschaftskrise, Demokratiekrise und so weiter prägen tagtäglich die Schlagzeilen. Klimaschutzaktivismus muss sich diesen Tatsachen stellen und darf sich nicht mehr ausschließlich auf direkte Klimaschutzforderungen beschränken.

„Radwege werden das Klima nicht retten!“ Stimmt. Aber sie sind ein wichtiger Puzzlestein. Ohne Radwege keine Verkehrswende, ohne Verkehrswende kein Erreichen der Klimaziele. Aus diesem Grund finden seit 2021 „Radeln For Future“-Demos für die Verbesserung der Radinfrastruktur in Wien statt. Damit Wien ein Radwegenetz erhält, das diesen Namen verdient.

Inzwischen ist global viel passiert und es ist klar: Als Folge davon geraten die Klimakrise und die Biodiversitätskrise in der Wahrnehmung immer mehr in den Hintergrund – politisch, medial, aber auch gesellschaftlich. In der aktuellen Situation darf sich Klimaschutzaktivismus daher nicht nur auf die Klimakrise fokussieren. Damit die Klimakatastrophe noch abgewendet oder wenigstens abgemildert werden kann, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie auch politische.

Drei Schlüsselkrisen

In Umfragen ist stets eine große Mehrheit von über 80 Prozent für Klimaschutzmaßnahmen b.z.w. nennt die Klimakrise als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Geht es um konkrete Maßnahmen, die den persönlichen Bereich betreffen, formiert sich aber Widerstand.

Windräder? „Die verschandeln die Aussicht!“
Photovoltaikanlagen? „Gerne. Aber doch nicht hier!“
Verbrennerverbot? „Sicher nicht!“

Es wäre die Aufgabe der Gesellschaft, den nächsten Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen, anstatt nur im Jetzt zu leben. Fazit: Gesellschaftskrise.

Politisch Verantwortliche machen es sich meistens leicht und blockieren zukunftssichernde Maßnahmen mit Verweis auf mangelnden Rückhalt in der Bevölkerung. Politik, die hauptsächlich auf Umfragen beruht, kann den realen Anforderungen niemals gerecht werden. Im besten Fall ringen sich die Verantwortlichen dann zu Scheinklimaschutz durch und stellen das als großen Wurf vor. „Klimaschutz, den die Menschen nicht spüren“ reicht aber nicht. Es wäre die Aufgabe der Politik, auch unpopuläre aber notwendige zukunftssichernde Maßnahmen zu erklären und umzusetzen, anstatt sie auf die lange Bank zu schieben. Fazit: Politikkrise.

Medien übernehmen Aussagen politisch Verantwortlicher oft unhinterfragt und helfen so mit, in der Öffentlichkeit das Bild zu vermitteln, es würde viel gegen die Klimakrise unternommen oder andere Probleme wären langfristig wichtiger. Es wäre die Aufgabe der Medien, Aussagen und umgesetzte Maßnahmen einzuordnen, anstatt nur Polit-PR wiederzugeben. Fazit: Medienkrise.

Abwärtsspirale durch Gesellschaftskrise, Politikkrise und Medienkrise

Die Ursachen von Gesellschaftskrise, Politikkrise und Medienkrise sind vielfältig und teils Folgen sowie Ursachen anderer Krisen. Viele Krisen hängen miteinander zusammen und verstärken sich schlimmstenfalls sogar. Darum kann und darf die Klimakrise nicht einzeln betrachtet werden.

Was beim Thema Klimaschutz passiert, läuft in anderen Bereichen ähnlich ab. Das Resultat sind fehlende Maßnahmen oder solche, die nur akute Symptome behandeln und langfristig sogar schädliche Auswirkungen haben.
Budgetkrise? Die Antwort darf nicht in kurzfristig budgetwirksamen Einsparungen liegen, die die Basis für zukünftige Krisen bilden.

Wer Sozialleistungen kürzt, trifft damit vor allem finanziell Schwache, deren Leben dadurch noch härter wird. Gleichzeitig werden sie dadurch anfälliger für Propaganda. Auch Einsparungen im Bildungssystem, die sich auf die Qualität der Ausbildung auswirken, rächen sich in der Zukunft. Die Liste ist schier endlos fortsetzbar.

Das Versagen der politisch Verantwortlichen und der Medien bei der Krisenbewältigung und Kommunikation führt zu Politikverdrossenheit. Dadurch haben antidemokratische populistische Gruppen, die simple Lösungen für komplexe Probleme versprechen, leichtes Spiel. Fazit: Demokratiekrise.

Von der Demokratiekrise zur Zukunftskrise

Die Folgen der Demokratiekrise sind global sichtbar. Wo autoritär agierende Bewegungen erstarken oder regieren, kommen Menschenrechte, Frauenrechte, Kinderrechte, Pressefreiheit, Gewerkschaften, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und so weiter unter Druck. Kurzfristig mögen einige wenige Menschen sogar davon profitieren, langfristig verlieren aber alle. Fazit: Zukunftskrise.

Die Zukunft in die Hand nehmen

Die Zukunft wird Veränderungen bringen. Offen ist, ob Politik und Gesellschaft weiterhin auf Scheinlösungen setzen, die zu noch größeren Krisen und Katastrophen führen, oder ob durch kluge Maßnahmen eine gute Zukunft für alle Menschen ermöglicht wird.

Die Aufgabe der Regierenden ist es, zum Wohle des Landes und der Bevölkerung zu arbeiten. Daran wollen wir die politisch Verantwortlichen am 3. April erinnern. Der „Future Bike Ride“ führt darum u. a. am Bundeskanzleramt, Parlament, Rathaus und einigen Parteizentralen vorbei.

Raus aus der Demokratiekrise! Demokratieschutz für Klimaschutz!

Dafür radeln wir so, wie wir uns die Zukunft wünschen: gut gelaunt! Radelt mit!

Weiterführende Infos:
Neue Umfrage: Österreich im Klimawandel – Zwischen Verantwortung und Ernüchterung (OTS marketagent, 4.11.2025)
Klima-Umfrage 2024: 81 % der Bevölkerung fordern politische Maßnahmen gegen Klimakrise (Greenpeace, 23.10.2024)
Umfrage: Wähler:innen aller Parteien wollen mehr Klimaschutz (Kontext Institut, 19.9.2024)
Neue Umfrage: Über 80 Prozent fordern Zustimmung Österreichs zum EU-Renaturierungsgesetz (WWF, 16.6.2024)
Bevölkerung zu Opfern für Klimaschutz bereit (ORF, 9.2.2024)
Größte Befragung zum Klimawandel österreichweit (Klima | Wandel | Anpassung, Newsletter 49)