Mit dem BikeBus vom Schulweg zur Mobilitätswende

Gastbeitrag von BikeBus Österreich

Der tägliche Schulweg ist mehr als nur der Weg von A nach B. Er prägt Routinen in unserem Mobilitätsverhalten, wirkt sich auf unsere Gesundheit, unsere Wahrnehmung für den öffentlichen Raum und nicht zuletzt auf das Klima aus. In einer Zeit, in der Verkehrsflächen immer noch stark vom Autoverkehr dominiert werden und viele Kinder sich zu wenig bewegen, gewinnt eine einfache Frage an Bedeutung: Wie kommen Kinder eigentlich in die Schule – und wie könnten sie es besser?

Der BikeBus – gemeinsam und sicher mit dem Rad zur Schule

Ein BikeBus (auch: Bicibus, Velobus, SchulRadBus) ist eine einfache, aber wirkungsvolle Antwort auf diese Frage: Statt mit dem Elterntaxi fahren Kinder gemeinsam mit anderen Kindern und begleitenden Erwachsenen mit dem Fahrrad zur Schule. Entlang einer fixen Route mit definierten Haltestellen wird die Gruppe immer größer – ganz ähnlich wie bei einem Schulbus, nur fahren alle mit dem Fahrrad. Der gemeinsame Schulweg schafft Sicherheit, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und macht Bewegung zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags.

„Gemeinsam in die Schule zu radeln ist so simpel wie genial. Für mich gibt es keinen schöneren Start in den Tag!“
Sandra Schlögl, Gründerin BikeBus Österreich

Getragen wird die BikeBus-Bewegung in Österreich von engagierten Eltern und Initiator:innen, die ihre Erfahrungen zunehmend miteinander teilen. Um diese Initiativen zu vernetzen, Wissen zugänglich zu machen und neue Linien zu unterstützen, wurde 2025 der Verein BikeBus Österreich gegründet – von und für Menschen, die selbst BikeBusse initiiert und begleitet haben. Ziel ist es, das Radfahren zur Schule für immer mehr Kinder möglich, sicher und attraktiv zu machen und die Bewegung langfristig zu stärken.

Bewegung, die selbstverständlich wird

Kinder bewegen sich heute deutlich weniger als früher. Die empfohlenen Bewegungseinheiten von zumindest 60 Minuten für 6 – 18-Jährige1 werden im Alltag oft nicht mehr erreicht. Wird der Schulweg aktiv, also etwa mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt, ist Bewegung kein zusätzlicher Programmpunkt, sondern ganz selbstverständlich Teil des Tages. Radfahren stärkt Ausdauer, Koordination und Motorik, bringt den Kreislauf in Schwung und wirkt sich positiv auf Konzentration und Lernfähigkeit aus. Kinder, die sich am Morgen bewegen, kommen wacher und ausgeglichener im Unterricht an. Durch das regelmäßige Radfahren baut der BikeBus ein starkes Fundament für ein gesundes Leben. Denn wer ganz selbstverständlich in die Schule radelt, wird auch im Erwachsenenalter das Rad für Alltagswege nutzen.

„Freitag ist Bikebus Tag – der einzige Tag, an dem wir früh zur Schule kommen, weil meine Tochter freiwillig aufsteht. Wir fahren dann sogar extra weiter weg, um bei der ersten Bikebus Station dabei zu sein und möglichst länger mitzufahren.“
Susa, Mutter, 46 J.

Verkehrskompetenz von klein auf

Wer regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs ist, lernt früh, sich im Straßenraum zurechtzufinden. Kinder entwickeln nur in der gelebten Praxis ein Gefühl für Entfernungen und Geschwindigkeiten und lernen Verkehrsregeln in der Kommunikation mit Erwachsenen. Begleitete Gruppenfahrten, wie sie etwa beim BikeBus stattfinden, ermöglichen genau dieses Lernen in einem geschützten Rahmen. Mit den Kindern wächst auch ihre Selbstständigkeit im Straßenverkehr, ebenso wie das Vertrauen von Eltern in die Fähigkeiten ihrer Kinder.

„Ich finde es schön, dass wir den Menschen zeigen, dass Fahrrad fahren genauso gut ist wie Autofahren. Und es ist lustig!“
Nika, 9 J., radelt seit 2024 beim BikeBus mit

Klimaschutz beginnt vor der Haustür

In sieben der neun Bundesländer ist der Verkehr der größte Verursacher von CO₂-Emissionen (Stand November 2025). In allen Bundesländern verursacht der Verkehr mehr Emissionen als 1990.2 Der Verkehrssektor bietet besonders somit besonders großes Potenzial für Veränderung. Jeder (Schul-)Weg, der mit dem Rad statt mit dem Auto zurückgelegt wird, spart Emissionen, reduziert Lärm und verbessert die Luftqualität. Aktive Mobilität ist flächeneffizient, leise und sofort wirksam und damit ein zentraler Baustein für die Mobilitätswende und Klimaschutz.

Sichere Schulvorplätze: mehr Platz für unsere Kinder

Die morgendliche Bring-Situation vor Schulen zeigt sehr deutlich, wie verschwenderisch der motorisierte Individualverkehr den eigentlich so wertvollen öffentlichen Raum nutzt. Die Autos stauen sich in zweiter Spur, in die Straße zur Schule kann man mitunter schon gar nicht mehr einbiegen. Es ist laut, chaotisch und stressig. Je mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto in die Schule bringen, umso gefährlicher und stressiger wird die Situation für alle. Wenn Straßen vom Autoverkehr dominiert werden, dann fehlt uns Platz für das, wofür der öffentliche Raum eigentlich da ist: für sichere Bewegung & Begegnung.

“Im BikeBus fühle ich mich einfach glücklich. Der Spaß in der Gemeinschaft schweißt zusammen. Nichts in der Welt ist schöner, als in der Früh mit Kinderlachen durch die Straßen zu fliegen. Wahnsinn!“
Michael Doberer, Initiator BikeBus Hernals

Teil einer internationalen Bewegung

Was in einzelnen Städten begonnen hat, ist längst Teil einer weltweiten Bewegung. Unter Namen wie BikeBus, Bicibus, Velobus oder Schulradbus radeln Kinder nicht nur in Österreich, sondern auch weit darüber hinaus gemeinsam zur Schule. Von den USA bis Indonesien und von Wien bis Kärnten entstehen laufend neue Fahrradgruppen, die zeigen: Veränderung muss nicht immer groß beginnen. Oft reicht es, sich zusammenzutun und einfach loszuradeln.

Jeder gemeinsam geradelte Schulweg ist ein kleiner Schritt mit großer Wirkung – für gesunde Kinder, lebenswerte Städte und eine klimafreundliche Zukunft. Der Verein BikeBus Österreich unterstützt daher die Klimabewegung und die Aktionen von Radeln for Future.

Willst auch du einen BikeBus starten? Dann lies hier weiter!



Quellen:
1 Bewegungsempfehlungen für Kinder und Jugendliche (Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs gesundheit.gv.at, 20.07.2020)

2 Verkehr in sieben Bundesländern größter CO2-Verursacher (derStandard.at, 07.11.2025)

Radfahren macht Spaß!

Dieser Beitrag erschien zuerst im MeiMeidling-Blog.

Valentin Ruhry, der Radfahr- und Fahrrad-Experte von MEI MEIDLING berichtet hier über seine, manchmal auch ernüchternden, Alltags-Erfahrungen.

Wenn man Wiens Straßen, den Verkehr und vor allem die Fahrradwege dieser Stadt besser kennt, wird einem schnell klar, dass die, für die Infrastruktur verantwortlichen PlanerInnen wohl auch dieser Meinung sind. Radfahren macht Spaß! So wie Skifahren, Inline skaten oder andere Hobbies eben auch.

Aber verstehen die Stadtplaner_innen Radfahren auch als ernstzunehmendes und immer beliebter werdendes Fortbewegungsmittel im Alltag?

Fährt man zum Beispiel einen der Radhauptverkehrswege von Meidling Richtung Burggasse, muss man alleine am Westbahnhof zwei mal den Gürtel und dabei sieben Ampeln queren. Wohlgemerkt, für eine Strecke von weniger als 300m, auf der AutofahrerInnen stadtauswärts und auf vier Spuren (die Parkspur nicht mitgerechnet) vergleichsweise nur eine Ampel passieren. Das ist schade, denn eigentlich sollte die Wahl des umweltfreundlicheren und vor allem gesünderen Fortbewegungsmittels belohnt und nicht bestraft werden.

Denn, und daran gibt es wohl keine Zweifel: Radfahren macht nicht nur Spaß, es ist auch gesund. Es stellt eine großartige Möglichkeit dar, um fit zu bleiben und körperlich aktiv zu sein. Es kann helfen das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem zu stärken und Stress abzubauen.

Wusstest du übrigens, dass Autos in der Stadt im Durchschnitt für Strecken von weniger als 10km verwendet werden? Eine ideale Distanz um am Rad mal kurz abzuschalten, sich ein bisschen auszupowern oder gemütlich durch die Stadt zu treten. Neben dem gesundheitlichen Aspekt, gibt es aber auch noch andere Gründe um Rad zu fahren.

Umweltfreundlichkeit: Radfahren ist eine umweltfreundliche Form der Fortbewegung, die keine schädlichen Emissionen ausstößt. Es trägt dazu bei, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren und die Luftqualität in der Stadt zu verbessern.

Kostenersparnis: Im Vergleich zum Autofahren oder zu öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Radfahren eine kostengünstige Möglichkeit, sich in der Stadt fortzubewegen. Es gibt keine Kraftstoffkosten oder Parkgebühren zu bezahlen und Fahrräder erfordern in der Regel nur minimale Wartung.

Flexibilität: Radfahren ermöglicht es einem, sich in der Stadt schnell und flexibel fortzubewegen. Man kann mit dem Rad leicht Verkehrsbehinderungen umgehen und an Orte gelangen, an denen Autos und öffentliche Verkehrsmittel möglicherweise nicht hinkommen.

Platzersparnis: Fahrräder benötigen viel weniger Platz als Autos und können daher dazu beitragen, den Verkehr in der Stadt zu entlasten und den Platzbedarf auf den Straßen zu verringern. Platz, der in weiterer Folge gerechter aufgeteilt werden könnte.

Verbesserung der Lebensqualität: Radfahren kann dazu beitragen, das Stadtbild zu verbessern, indem es dazu beiträgt, den Lärm- und Luftverschmutzungspegel zu senken. Es kann dabei helfen, die Nachbarschaften in der Stadt näher zusammenzubringen, da es Menschen die Möglichkeit gibt, die Stadt auf eine andere Weise zu erleben und sich miteinander zu vernetzen.

Zu schön um wahr zu sein

Nur leider hat die Sache auch einen Haken: Radfahren macht zwar Spaß, kann aber auf lange Sicht auch sehr frustrieren, ist gefährlich und für Kinder keine realistische Option weil es zu unsicher ist. Die Gründe dafür sind die schlechte oder überhaupt fehlende Infrastruktur, Radstreifen in sogenannten Dooring-Zonen (so nennt man den Bereich eines Radweges in den plötzlich geöffnete Türen von geparkten Fahrzeugen hinein ragen) und fehlende Rücksicht motorisierter VerkehrsteilnehmerInnen gegenüber Radfahrerinnen (Stichwort: Überholabstand).

Dies führt dazu, dass Kinder und Jugendliche nicht in der Lage sind, eigenständig und sicher zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule oder zu Freizeitaktivitäten zu gelangen. In Amerika wurde der Begriff „Backseat Generation“ geprägt, der sich darauf bezieht, dass diese Kinder gezwungen sind, auf der „Rückbank“ des Autos zu sitzen um von ihren Eltern oder anderen Erwachsenen transportiert zu werden, anstatt ihre Umgebung eigenständig und aktiv zu erkunden.
Eine traurige Entwicklung.

Initiativen in Wien

Auch wenn die Stadtregierung gerne in Superlativen wie „Mega-Radwegoffensive“ von ihren Bemühungen schwärmt, ist das Ergebnis zaghaft und kraftlos. Wer möchte, dass mehr Wienerinnen und Wiener aufs Rad umsteigen, muss ordentliche Infrastruktur schaffen und dazu braucht es Platz. Platz, den man zur Zeit vor allem dem motorisiertem Individualverkehr überlässt.

In Wien wissen das inzwischen zahlreiche Initiativen wie „Radeln for future“, die Organisatoren der „Critical Mass“, der „Kidical Mass“ oder die Radlobby, die allesamt regelmäßig gemeinsame Ausfahrten oder Rad-Demos organisieren um auf das Problem aufmerksam zu machen.

So findet die traditionelle Criticalmass jeden 3. Freitag im Monat statt, Radeln for Future trifft sich jeden 1. Freitag im Monat zum gemeinsamen Radeln für die Verkehrswende in Wien.

Am 16.6. findet das MeiMeidling Grätzlfest mit Diskussion mit Fokus auf die nächste Generation statt: